AHA Methode
Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist.
Wir sehen sie durch unsere Annahmen.
Jede Entscheidung beginnt lange vor der Entscheidung — mit dem, was wir für wahr, möglich, gefährlich, richtig oder selbstverständlich halten.
Die AHA Methode macht diese Voraussetzungen wieder sichtbar.
Accessing Hidden Assumptions
Das eigentliche Problem
Je vertrauter wir mit einer Situation sind,
desto schwerer erkennen wir die Voraussetzungen unseres eigenen Denkens.
Das Problem ist selten fehlende Intelligenz oder fehlende Reflexion. Im Gegenteil: Wer viel weiß und viel nachdenkt, prüft Möglichkeiten besonders gründlich — innerhalb eines Rahmens.
Ohne immer zu bemerken, dass auch der Rahmen selbst eine Annahme enthält.
Das ist der blinde Fleck.
Der Begriff
Was ist eine
Hidden Assumption?
Nicht nur Glaubenssätze über die eigene Person, wie man sie aus der Ratgeberliteratur kennt. Viel häufiger sind es unauffällige Sätze über die Situation:
„Diese Person wird darauf so reagieren.“
„Diese Option kommt nicht infrage.“
„Ich muss mich zwischen A und B entscheiden.“
„So funktioniert unsere Branche nun einmal.“
„Wenn ich das tue, verliere ich X.“
„Das Problem ist Person Y.“
„Ich sollte mich eigentlich anders fühlen.“
Keiner dieser Sätze fühlt sich beim Denken wie eine Behauptung an. Sie fühlen sich an wie Beschreibungen der Lage.
Eine Hidden Assumption ist eine Annahme,
die nicht mehr wie eine Annahme erlebt wird.
Die AHA Bewegung
Wo eine Entscheidung
tatsächlich beginnt.
Situation
↓
Wahrnehmung
↓
Annahmen
↓
Bewertung
↓
Sichtbare Möglichkeiten
↓
Entscheidung
↓
Gelebtes Leben
Die meisten Bemühungen setzen ganz unten an: bei den sichtbaren Möglichkeiten. Man vergleicht Optionen, wägt ab, sammelt Argumente. Die Annahmen weiter oben bleiben dabei unberührt — und sie haben längst bestimmt, welche Optionen überhaupt auf der Liste stehen.
Ändert sich eine zugrunde liegende Annahme, verändert sich nicht nur die Antwort.
Manchmal verändert sich die Frage. Und manchmal das Leben, das daraus entsteht.
Wie wir hinschauen
Sechs Stellen, an denen eine Annahme
sich verrät.
Sprache
Welche Begriffe und scheinbaren Gewissheiten benutzt jemand? Welches Wort wird nie hinterfragt?
Widersprüche
Wo passen Aussage, Reaktion und Entscheidung nicht zusammen?
Auslassungen
Welche Möglichkeit wird überhaupt nicht berücksichtigt — so selbstverständlich, dass sie nicht einmal verworfen wurde?
Emotionen und Körper
Wo verändert sich etwas, bevor es rational erklärt werden kann?
System
Welche Rollen, Interessen, Beziehungen und Konsequenzen beeinflussen die Wahrnehmung?
Muster
Wo taucht dieselbe Logik in völlig verschiedenen Situationen wieder auf?
Daraus entstehen Hypothesen. Keine Diagnosen.
Ein Beispiel
Wie eine unsichtbare Annahme
den Lösungsraum begrenzt.
„Ich muss entscheiden, ob ich bleibe oder gehe.“
Auf den ersten Blick gibt es zwei Optionen. Man kann sie sorgfältig gegeneinander abwägen, Argumente sammeln, Konsequenzen durchrechnen — und wird trotzdem nicht sicher.
Dann entdecken wir vielleicht die Annahme, die unter der Frage liegt:
„Wenn ich bleibe, muss alles so bleiben wie bisher.“
Plötzlich gibt es nicht mehr zwei Möglichkeiten. Vielleicht zehn.
Nichts an der äußeren Situation hat sich verändert. Verändert hat sich, was innerhalb dieser Situation überhaupt denkbar war. Das ist die praktische Bedeutung eines blinden Flecks.
Warum ein Gegenüber
Denken lässt sich erweitern.
Beobachtbares entsteht nur in Beziehung.
Die eigenen Annahmen lassen sich durchaus selbst untersuchen — mit Reflexion, mit Schreiben, mit guten Fragen, inzwischen auch mit künstlicher Intelligenz. Das ist kein schlechterer Weg, sondern ein anderer.
Der Unterschied liegt nicht in der Klugheit der Fragen. Er liegt darin, welche Information überhaupt entsteht. Ein Gegenüber arbeitet nicht nur mit dem, was gesagt wird:
✦Es hört, wie etwas gesagt wird.
✦Es bemerkt Ausweichbewegungen.
✦Es kann widersprechen.
✦Es sieht die Reaktion auf eine neue Perspektive im Moment ihres Entstehens.
✦Und es ist selbst Teil einer Situation, in der unmittelbar neues Material entsteht.
Ein Werkzeug erweitert, was du denken kannst.
Ein Gegenüber erzeugt zusätzlich etwas, das sich beobachten lässt.
Grenzen der Methode
Auch AHA
hat blinde Flecken.
Eine Methode, die sich mit den Voraussetzungen des Denkens beschäftigt, hat selbst welche. Sie schützt nicht vor Irrtum. Deshalb gilt:
✦Hypothesen bleiben Hypothesen.
✦Widerspruch ist erwünscht.
✦Perspektiven werden geprüft, nicht gesetzt.
✦Die Entscheidung bleibt beim Gegenüber.
✦Professionelle Grenzen gelten.
Die AHA Methode ist fachlich und wissenschaftlich informiert, aber keine Psychotherapie. Sie ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung und enthält kein Heilversprechen. Die Arbeit setzt psychische Stabilität, Freiwilligkeit und Eigenverantwortung voraus.
AHA Professional StandardsWir suchen nicht nur nach besseren Antworten innerhalb deines Denkens.
Wir untersuchen die Voraussetzungen, die bestimmen, welche Antworten überhaupt sichtbar werden.
Blinde Flecken lassen sich schlecht theoretisch erklären. Man erkennt sie am besten, wenn plötzlich etwas sichtbar wird, das vorher selbstverständlich erschien.
Bring eine Frage mit.
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